Unternehmen für Schulen
Die Internetplattform „Unternehmen für Schulen“ bietet Unternehmen Anregungen und umfangreiche Hilfestellungen zu einem eigenen Engagement an Schulen in Nordrhein-Westfalen.
Projektförderer


Info kompakt
Die Broschüre zum Unternehmenspreis 2010
"Wir wollen:Partnerschaft. Berufswahl. Selbstständigkeit - Wirtschaft aktiv erleben."
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Schulfenster NRW

Mit dem Blick durch das „Schulfenster NRW“ vermittelt die Stiftung Partner für Schule NRW den Besucherinnen und Besuchern ihrer Internet-Seite Eindrücke vom Schulalltag an nordrhein-westfälischen Schulen. Durch die regelmäßigen Schulportraits sollen insbesondere innovative Konzepte im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung, des Übergangs von der Schule in den Beruf, zum Ganztagsbetrieb sowie zur individuellen Förderung vorgestellt werden.
(Aus technischen Gründen ist das Schulfenster 11 zu Gast auf den Seiten von Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW.)
Schulfenster 11
Neue Kultur der Selbstständigkeit
Unternehmerisch denken und handeln
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen 25 Jahren dramatisch verändert: Computer, Software, Datennetze ermöglichen umfassende Kommunikation. Multikulti-Teams an verstreuten Standorten entwickeln Produkte für internationale Märkte. Waren aus Asien kommen „just-in-time“ für die Verarbeitung in Europa an. PC-Programme helfen in Unternehmen, alle Prozesse von der Materialbeschaffung über die Fertigung bis zum Vertrieb von Zahnpasta oder Elektronik-Bauteil zu steuern. Weil Wirtschaft global, technisch, dynamisch, vernetzt funktioniert, sind neue Mitarbeitertalente gefragt: Dazu gehören Eigeninitiative und Planungsgeschick, aber auch Toleranz sowie Teamfähigkeit. Tatsächlich brauchen Firmen heute Mitarbeiter, die auf allen Hierarchieebenen unternehmerisch denken und selbständig handeln. Heißt: Wer nicht rasch Kundenwünsche oder Trends erkennt und reagiert, verliert im Wettbewerb. Was Experten und Human-Ressource Manager auch mit „neuer Kultur der Selbstständigkeit“ umschreiben, hat Folgen für Bildung zwischen Elternhaus, Schule und Betrieb.
Im Minutentakt brummen Lastwagen werktags über die Düsseldorfer Straße in Krefeld. Rundherum füllen hunderte Betriebe das Gewerbegebiet am Industriehafen der alten Seidenstadt. Die Lage an der Transportader Rhein sowie das nahe Schienen- und Autobahnnetz machen den Standort attraktiv. Deshalb siedelte 1990 auch die C. H. Erbslöh Verwaltung, Labor und Zentrallager an. „Seitdem“, sagt Firmenchef Carl Hugo Erbslöh, „haben wir uns immens schnell entwickelt“.
Selbstverantwortung aktiv fördern
Aus einem regionalen Chemiehändler wurde ein international tätiges Unternehmen mit fast 200 Mitarbeitern und mehr als einem halben Dutzend Niederlassungen in anderen Ländern. Inzwischen werden die chemischen Rohstoffe, mit denen der 1876 gegründete Familienbetrieb Farbenhersteller, die Braubranche oder Gießereien beliefert, nicht mehr in Europa, sondern weltweit geordert. Und viele der Kunden für die chemischen Spezialitäten finden sich im Ausland – in den Beneluxländern, Russland, Osteuropa, Skandinavien. Längst handelt Erbslöh in vielschichtigen Märkten und spiegelt das mit einem komplexen Gefüge von Mitarbeiterqualifikationen.
„Wir müssen Trends bei Kunden erkennen und darauf reagieren, auf wechselnde Lieferantenanforderungen Antworten finden, mit eigenen Produktentwicklungen am Markt überzeugen. Ohne qualifizierte und selbstständig handelnde Mitarbeiter, ist das nicht möglich“, sagt Carl Hugo Erbslöh. Folgerichtig wird Eigenverantwortung bei dem Chemiehändler großgeschrieben, unternehmerisches Denken und Handeln der Mitarbeiter durch Leitlinien und Weiterbildung gefördert. „Wenn wir die Marktposition sichern wollen, brauchen wir innovationsbezogenes Handeln und eigenständiges Planen, Koordinieren sowie Kontrollieren von Prozessen“, begründet der Firmenchef.
Zum Querdenken anregen
Erbslöh ist typisch für eine moderne Unternehmenswelt, in der Disziplin nach wie vor für Erfolg unerlässlich ist, aber pünktliches Erscheinen zum Dienst etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle längst abgelöst ist. Erbslöh steht gleichsam für eine neue Generation international tätiger Firmen mit oft nicht mehr als ein paar Dutzend Angestellten, die im Handumdrehen auf Käuferwünsche oder Marktströmungen reagieren können, weil Mitarbeiter kreative Freiräume haben und nutzen. Erbslöh dokumentiert ebenso, dass sich statische, hierarchische Entscheidungsstrukturen immer mehr als Bremsklötze im Kampf um Marktanteile erweisen.
„Statt Abteilungsdenken sind heute Neugier, Kreativität, Risikobereitschaft oder auch Problemlösungskompetenz bei Mitarbeitern gefordert“, sagt Prof. Dr. Hannelore Küpers und ergänzt, „Querdenken eben“. Für die Leiterin des Instituts für Zukunftsorientierte Kompetenzentwicklung (IZK) an der Uni Bochum steht fest: „Neben dem Fokus auf eine gute fachliche Bildung sollten junge Menschen heute eine verantwortungsbewusste Persönlichkeit entwickeln, die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen kennt, daran arbeitet und nachhaltig beruflich handeln lernt.“
Konsequenterweise bietet das IZK Seminare über „interkulturelle Verständigung“, „Nachhaltigkeit“ und „unternehmerisches Denken und Handeln“ an. Mehr als ein Drittel der etwa 4.700 Bochumer Studenten besuchte 2010 die kostenfreien IZK-Kurse. 2011 sollten die Zahlen laut Hannelore Küpers weiter steigen. Denn der ausgeprägte Studentenwunsch nach interkultureller Bildung sowie Lernstrukturen für die Bildung sozialer und kommunikativer Kompetenz kommt nicht von ungefähr: „Die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist so, dass von allen Beteiligten durch die Delegation von Verantwortung immer mehr selbstständiges Handeln auf allen Ebenen gefordert wird. Eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, wird wichtiger“, bestätigt Professor Dietmar Krafft, Vorsitzender des Instituts für wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Bildung an der Universität Münster. Ein Blick in die Jobprofile von Konzernen und Mittelständlern macht deutlich: „Soft Skills“ werden heute ebenso verlangt wie Fachkenntnisse; sie machen Experten zufolge sogar 50 Prozent der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber aus. Selbst wer einen Experten für das Finanzwesen sucht, pocht mittlerweile auf Gruppentauglichkeit und die Fähigkeit zu vernetztem Denken.
„Verantwortung übernehmen, da wird die Luft dünn“
Mitarbeiter, die in einem international tätigen, dynamischen, von Wissen getriebenen Unternehmen geschickt planen, selbstbewusst Entscheidungen treffen und über Grenzen hinweg kommunizieren, das wünscht sich auch Andre Tünkers. Weltweit stellen etwa 500 Mitarbeiter für das Familienunternehmen Tünkers Maschinen her, die in der Automations- oder Papiertechnik ihren Einsatz haben. Doch der Chef weiß: „Auch wenn wir Unternehmertum hoch einschätzen und durch spezifische Maßnahmen gezielt fördern, gehen Wunsch und Wirklichkeit häufig getrennte Wege.“ Heißt: Zwar sollen und dürfen Mitarbeiter bei der Ratinger Traditionsfirma, die mit Tochtergesellschaften und Vertretungen auf allen Kontinenten aktiv ist, Freiräume für unternehmerisches Denken und Handeln nutzen. „Wenn jedoch Verantwortung übernommen werden soll, wird die Luft oft dünn“, berichtet Andre Tünkers, der selbst bei Schulabgängern häufig die heute so wichtigen Kompetenzen Neugier, Kreativität oder auch Teamfähigkeit vermisst. „Wer mit Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartner zu tun hat, muss bestimmte menschliche Fähigkeiten und Persönlichkeitszüge haben, um erfolgreich zu sein“, bestätigt Christoph Chelminski, Personalleiter beim Krefelder Chemiehändler Erbslöh. Dass sich junge Mitarbeiter zudem vor der Übernahme von Verantwortung scheuen würden, sagt Hannelore Küpers: „Ein zentraler Kern unserer Arbeit ist es, zu unternehmerischem Denken und Handeln zu befähigen, Initiative zeigen zu können sowie Prozesse mitgestalten zu wollen.“
EU-Kommission fördert Unternehmergeist
Dass zwischen den nötigen und tatsächlichen Fähigkeiten von Mitarbeitern, Unternehmerdenken gewinnbringend für eine Firma und die eigene Karriere einzusetzen, Welten klaffen und daher bildungspolitisches Engagement nötig ist, hat die Europäische Union erkannt: Bereits 2006 legte die EU-Kommission daher einen „Plan zur Förderungen des Unternehmergeistes an Schulen und Universitäten“ vor. Ziel sei es, ließ der damalige Vizepräsident der EU-Kommission Günter Verheugen verlauten, jungen Menschen zu mehr Kreativität und Selbstvertrauen zu verhelfen. Um das zu erreichen, wurden den EU-Mitgliedern Maßnahmen empfohlen: Dazu gehört, unternehmerisches Denken und Handeln in Lehrplänen aller Schulformen ausdrücklich als Bildungsziel zu nennen, Bildungseinrichtungen sowie Lehrkräfte zum Beispiel durch Fortbildungen intensiv zu unterstützen. Dass dieser so dringende Appell an den Schulen hierzulande gehört wurde, zeigt die Umfrage des Projekts „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW“ unter allen weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen. Seit 2006 hat sich die Zahl der Schulen im Land, die mit einem Unternehmen zusammenarbeiten von 52 auf 67 Prozentpunkte erhöht. Dabei werden nicht nur Praktikumsplätze vermittelt, sondern es wird auch dafür gesorgt, dass die „soft skills“ der Schülerinnen und Schüler sich an die Erwartungen der Partnerbetriebe annähern und umgekehrt. Und weil sich diese Erwartungen so schnell ändern wie unsere Wirtschaft sich entwickelt, ist offenbar das beste Rezept auch eines der einfachsten: Praxisnähe.
Ansprechpartner Stiftung Partner für Schule NRW: Hermann Meuser
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